Billards Toulet – Entstehungsgeschichte

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ANFÄNGE DES BILLARDSPORTS

Die Anfänge des Billardsports gehen auf die Herrschaftszeit von Ludwig XI zurück. Damals wurden mit Stoff überzogene Tische hergestellt, auf denen Kugeln mithilfe von Stöcken mit gebogenem Ende bewegt wurden. Eine sehr frühe Vorstufe des Billard- oder Golfspiels.

Die Geschichte des Billards entwickelte sich weiter und Ludwig XIII gab im Louvre auf einem Billard stehend das Ende der Regentschaft bekannt.

Es gibt Kupferstiche, die Ludwig den XIV beim Billard spielen zeigen und Blaise Pascal erwähnte den Billardsport in seinem Werk „Gedanken“ („Pensées“).

Das Billardspielen war den Adeligen vorbehalten.

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DIE ERSTEN AKADEMIEN

Laut Dominique-Vivant Denon gab es vor der Revolution in Paris unzählige Billardsalons, sogenannte „Akademien“, die Tag und Nacht von Stammkunden besucht wurden.

Hier trafen Spieler und Zuschauer sowie erfahrene Spieler und Anfänger aufeinander.

Die Regeln entsprachen nicht denen, die heutzutage gelten und das Spiel zeichnete sich durch eine Mischung aus Zufall und Strategie aus. Ziel war es, die Kugeln in die Taschen zu befördern, die sich an der Umrahmung des Billards befanden.

Das Billardspielen war beliebt und die Billardherstellung ein anerkanntes Fachgebiet, was sich daran zeigt, dass der Maler Jean-Baptiste CHARDIN seinen Vater als Billardhersteller bezeichnete.

DER EINFALLSREICHE UNTEROFFIZIER MINGAUD

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Billardspielen derart beliebt, dass jede Einrichtung, die etwas auf sich hielt, mehrere Billardtische besaß.

Gefängnisse waren da keine Ausnahme und MINGAUD, Unteroffizier des Kaisers, nutzte seinen Aufenthalt im Gefängnis, um diesem Sport zu frönen.

Er perfektionierte sein Spiel und die Kunst des Billardspielens, indem er am Ende des (aus Holz bestehenden) Billardqueues eine Lederscheibe anbrachte. Dadurch war er dazu in der Lage, die Kugel besser zu steuern.

Außerdem hatte er die geniale Idee, die Spitze des Billardqueues an der gekalkten Gefängnismauer zu reiben.

Mit einem überraschenden Ergebnis: Dem Spieler gelang es dadurch, die Kugeln zum Rotieren zu bringen.

Die Laufbahn der Kugeln veränderte sich wie durch Zauberhand.

Das war die Geburtsstunde des Rückläufers. Der seitliche Drall, der den Kugeln nach der Bandenberührung verliehen wurde, bewirkte einen erstaunlichen Rückprall.

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Als er das Gefängnis verlassen durfte, bat MINGAUD seinen Gefängniswärter darum, länger bleiben zu dürfen, um an seiner Technik zu feilen und seinen Billardqueue zu perfektionieren.

Der Gefängniswärter ließ MINGAUD, der zudem sein Partner war, gewähren.

Als der Unteroffizier das Gefängnis schließlich verließ, forderte er die Billardlehrer aus der Hauptstadt heraus und besiegte einen nach dem anderen.

Er ließ die erste Abhandlung über Billard drucken, in der er den Wirkungsmechanismus seiner Technik (Effet) erläuterte.

Seitdem wurden zahlreiche Werke veröffentlicht, in denen die schrittweise am Billardsport vorgenommenen Optimierungen festgehalten wurden.

Die Erfindung von Mingaud hatte weitreichende Auswirkungen und das Spiel verbreitete sich in der Gesellschaft.

Der renommierte Mathematiker CORIOLIS begann, sich dafür zu interessieren.

Er beschrieb die wissenschaftliche Komplexität des Phänomens in seinem Werk:

„MATHEMATISCHE THEORIE DES EFFETS BEIM BILLARD“.

TOULET-BILLARDS

Um 1850 wurden neue Spielregeln festgelegt. Sie konzentrierten sich maßgeblich auf die Effets und auf die Richtung, die die Kugel des Spielers nahm. Auf die Taschen wurde verzichtet. In Frankreich wurde Karambolbillard immer beliebter.

Die Regeln waren einfach, das Spiel umso spannender. Der Spieler musste versuchen, die Kugel so zu stoßen, dass sie die beiden anderen Kugeln berührte („karambolierte“).

Louis TOULET, eine Möbelfabrik in der Nähe von Lille richtete eine Billardabteilung ein.

Die Produkte des Unternehmens waren qualitativ derart hochwertig, dass sie sich schnell durchsetzten.

Die Akademien (unter anderem die renommierte Salle RAMEAU in Lyon) nutzten bevorzugt Produkte von Louis TOULET.

Die Billardakademie war eine von mehreren öffentlich zugänglichen Einrichtungen, wo Spieler gegeneinander antraten oder ihre Techniken durch Training verfeinerten. Passanten stießen dazu, um dem Spektakel beizuwohnen.

VERZWEIFELTE SUCHE NACH KUGELN

histo061 Während des Sezessionskriegs in den Vereinigten Staaten macht die Blockade der Streitkräfte im Süden den Import von Elfenbein unmöglich, aus dem die Kugeln gefertigt wurden.

Zwei Unternehmer, leidenschaftliche Billardspieler, schrieben einen Preis für denjenigen aus, dem es gelingen sollte einen Elfenbeinersatz zu finden.

Die Brüder HYATT versuchten, eine Lösung für das Problem zu finden und entwickelten in diesem Zusammenhang das Zelluloid. Dieses sollte ihnen ein Vermögen einbringen, löste das eigentliche Problem jedoch nicht.

Die Filmindustrie profitierte stark von der Zelluloidentwicklung und nutzte die Kunststoffverbindung zur Herstellung von Filmen. Es dauerte beinahe ein Jahrhundert, um das knifflige Problem zu lösen. Dann wurde Phenol entwickelt, ein Material, das unzählige Male hintereinander aufprallen kann, ohne sich zu verformen.

DER KÖNIG DES KAUTSCHUKS

histo07 Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte der Amerikaner GOODYEAR zur großen Freude der Billardspieler, die von seiner zweiten Erfindung profitierten, durch einen wissenschaftlichen Zufall das Verfahren der Vulkanisation.

Die Banden, von denen die Kugeln abprallten, wurden zuvor aus Heu hergestellt oder waren federbelastet.

Im 20. Jahrhundert wurden die Banden aus Kautschuk gefertigt.

Die generierte Energie wurde erheblich gesteigert, die Kugeln legten längere Strecken zurück. Das Billardspiel über drei Banden wurde möglich.

DIE KAMPFANSAGE VON VIGNAUX

1880: Billard war Spiel, Sport und Spektakel zugleich.

VIGNAUX, der beste Spieler der Hauptstadt, trat im Beisein von mehren Hundert Zuschauern (darunter der Staatspräsident, Jules GREVY) an einem Toulet-Billard gegen SLOSSON, den besten Spieler jenseits des Atlantiks an.

SLOSSON spielt eine „Amerikanische Serie“ und holt 1103 Punkte.

Es schien fast so, als wären die Kugeln magnetisch. Sie bewegten sich nie weiter als 10 cm voneinander weg.

Die Zuschauer trauten ihren Augen nicht und wurden verständnislos Zeuge davon, wie VIGNAUX nicht zum Zuge kam.

VIGNAUX war jedoch dazu in der Lage, den Mechanismus hinter der Technik seines Gegenspielers durchs bloße Zuschauen zu begreifen. Er trainierte eine Nacht lang und beherrschte anschließend die neue Methode.

Am nächsten Tag legte er eine Serie mit 1531 Punkten hin und gewann gegen seinen völlig überraschten Gegner.

STRENGERE KARAMBOLAGE-REGELN

Es wurden neue Spielformen geschaffen (Rahmen und Linie), um die Spieler, die eine Amerikanische Serie nach der anderen spielten und dem Spektakel die Spannung nahmen, von den anderen zu trennen.

Gemäß der Regeln war es den Spielern verboten, mehrere Karambolagen in der gleichen Zone zu spielen.

DIE ZEITEN DES RUHMS

histo09 Ende des 19. Jahrhunderts erlebte das Billardspielen seinen Höhepunkt.

Es wurde als Spiel und als Spektakel geschätzt und das Billardzimmer war ein Ort der Zusammenkunft.

Es gab viele Cafés (ein Café pro 50 Einwohner) und die meisten waren mit Billards bestückt.

Jedes Dorfcafé verfügte über einen Billard, eine Billardmannschaft und einen Champion. Jeder Berufsverband hatte einen Spielerkreis sowie einen Billard und führte interne Wettkämpfe durch.

Die Wettkämpfe fanden in den jeweiligen Verbänden statt.

An manchem durften nur Mediziner teilnehmen, an anderen nur Feuerwehrmänner etc. Pressemitteilungen ist zu entnehmen, dass die geschicktesten Spieler ihren Beruf manchmal aufgaben, um sich ganz der Perfektionierung ihrer Billardtechnik widmen zu können.

Die Atmosphäre im Rahmen der regelmäßigen Billardpartien wurde durch Gewinnspiele zusätzlich belebt.

DIE KLEINE KÖNIGIN PUNKTET

histo11 1910 erzielte VIGNAUX an einem TOULET-Billard mit 325 Punkten beim Cadre in zwei Spielzügen seinen Rekord, aber die Zuschauer waren von der Geschicklichkeit der Spieler gelangweilt.

Das Spiel über „drei Banden“, eine Spielform, die eingeführt wurde, um die talentiertesten Spieler von den anderen zu trennen, war für viele Anfänger interessant.

Die Kugel des Spielers musste dreimal die Bande berühren, bevor sie die zweite Kugel karambolierte.

Bei der Billardherstellung wurden Heizsysteme verbaut, um zu vermeiden, dass der Stoffbezug feucht wurde und zu bewirken, dass die Kugeln schneller rollten.

Es wurden dünnere Stoffe produziert, um die Geschwindigkeit der Kugeln zu erhöhen.

Die Gesellschaft entwickelte sich und neue Transportmittel bewirken, dass die Spieler den Billardzimmern fernblieben.

Die Leidenschaft für die „kleine Königin“ verlagerte sich in Besprechungsräume, Aufenthaltsbereiche und Billardzimmer.

DAS WIEDERAUFLEBEN DES INTERESSES AM BILLARDSPIELEN

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte das Billardspielen einen erneuten Aufschwung. Technische Fortschritte ermöglichten die Fertigung noch präziserer, verlässlicherer Billardtische.

histo102 Billards TOULET integrierte Metallrahmen in die Billardtische, für das Schleifen der Schieferplatten wurden Präzisionsmaschinen eingesetzt, die Kautschukbanden wurden optimiert etc.

Diese Produktionsstandards wurden von allen Herstellern von Wettkampfausstattung übernommen.

Das für die Kugeln verwendete Elfenbein wurde durch ein anderes Material ersetzt. Die „Elfenbeinzauberer“, die dazu in der Lage waren, im Nahspiel zu kompensieren, dass die Kugel eiförmig war, wurden von Spielern abgelöst, die noch ein höheres Maß an Präzision an den Tag legten.

Diese Billardtische stellten die Billards vom Anfang des Jahrhunderts in den Schatten und auf ihnen wurden neue Rekorde erstellt.

Im Verlauf der 70er Jahre kamen neue Spielformen auf, die ihren Ursprung in Großbritannien hatten.

Die verspielteren, weniger technischen Billardtische mit Taschen machten den Sport für neue Spieler interessant.

Sie boten die Möglichkeit, sich mit den Spielutensilien vertraut zu machen. Es wurden Spielzimmer in Freizeitanlagen eingerichtet.

Das Billardspielen wurde als entspannte abendliche Aktivität mit Freunden beliebt.

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